Bewegungsabläufe gehirngerecht erlernen?

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Um eine sportliche Technik zu erwerben, sollte man gehirngerecht vorgehen.

Gehirngerechtes Lerntraining für Tätigkeiten (Fertigkeiten)

Um zu klären, ob man Bewegungsabläufe gehirngerecht erlernen könne, sollte klar sein, was man unter  Bewegungsabläufen versteht: Ich meine hiermit Fertigkeiten wie das  Klavierspielen, die Technik des Weitsprungs, das Schreiben, Malen, Computerschreiben, Tanzen…).

Was passiert beim Erlernen im Gehirn?

Spannend ist, wenn man Kindern beim intuitiven Erlernen zusieht. Wie der Turm von  Bauklötzern irgendwann einmal nicht mehr umfällt. Egal, ob ein Kind oder ein Erwachsener lernt- immer läuft im Gehirn Folgendes ab: Fertigkeiten also Bewegungsabläufe werden erst einmal mit dem  Großhirn erlernt und wenn sie dann langsam beherrscht werden, wandert dieses Können ins Kleinhirn. Hier speichern wir die Bewegungen ab, über die wir nicht mehr nachdenken müssen. (Auto lenken, Gehen,einen  Scheck unterschreiben- na gut, da sollte man schon noch nachdenken-,…)
Im Sport sprechen wir von Grobmotorik  (vorwiegend Aktivitäten im Großhirn),  von Feinkoordination und variabler Verfügbarkeit (Meisterschaft).

Schauen wir einmal, was Frau Vera F. Birkenbihl dazu sagt:

“Wenn wir Tätigkeiten lernen, gehen wir meist zu früh zu schnell vor. Beim Wissenserwerb nehmen wir uns mehr Zeit für die nötigen Denk-Prozesse, aber bei Bewegungsabläufen wird viel zu früh „gehudelt“ (geschlampt). Da es gilt, Nervenbahnen aufzubauen, bedeutet ein schlampiges Arbeiten hier, dass Sie später niemals wirkliche Kompetenz erlangen, weil schon die Grundlagen dürftig sind. Außerdem können Sie viel Lernzeit einsparen, wenn Sie folgende Tricks beherzigen:

• ZEITLUPE: Bitte nehmen Sie TAI-CHI als Beispiel, das ist KUNG FU quasi in Zeitlupe. Lernen Sie alles so langsam wie möglich, vom Schönschreiben über Tanzschritte bis hin zu Übungen mit einem beliebigen Musikinstrument. Manche Bewegungen können verlangsamt werden, wenn Sie kurz nachdenken: Jonglieren mit Tüchern kann weit langsamer vonstatten gehen als mit „richtigen“ Jonglierbällen…

• INTERVALL-TRAINING: Wenn Sie mit einer neuen Tätigkeit noch ganz am Anfang stehen, gilt: Öfter kurze Trainingszeiten (max. 10 Minuten) plus mindestens einen Stunde Pause (das Gehirn arbeitet jeweils einige Minuten „nach“) funktioniert weit besser, als einmal am Tag eine halbe Stunde auf einmal zu üben. Bei besonders schwierigen Bewegungsabläufen sind mehrmals 3 Minuten (plus 30 Minuten Pause) viel effektiver als verkrampfte längere Trainings-Sessions!

• KURZE EINHEITEN: Üben Sie nur zwei Takte am Keyboard, nicht 20, solange Sie das Stück noch nicht kennen! Üben Sie nur die Rückhand beim Tennis, nicht mal Vor-, mal Rückhand, bis Sie zu den Fortgeschrittenen gehören (dann können Sie sowohl lange am Stück als auch lange Einheiten beziehungsweise verschiedene Bewegungstypen durcheinander üben).

• VORBILD:  Suchen Sie Modelle oder sorgen Sie dafür, daß Sie welche per DVD bekommen (heute kann man sogar mit dem Handy mitschneiden, wenn der Coach es vormacht). Diese sehen Sie so oft wie möglich zwischendurch an, jeweils 5- bis 10mal hintereinander (Werbepausen nutzen!), das hilft sehr.”

So lernt man malen oder schreiben

Dazu passt die Metapher von ihr:

•NACHMACHEN durch IMITIEREN

Es geht um die berühmten Spaghetti- Neuronen: Insbesondere bei Kindern bilden sich allein durch das Betrachten von Fertigkeiten anderer neue Nervenbahnen, die später für genau diese Tätigkeit genutzt werden. Kinder erlernen Bewegungsabläufe gehirngerecht und dies instinktiv. Vera F. Birkenbihl erwähnte in diesem Zusammenhang immer das Beispiel, dass Kleinkinder im Breialter schon beobachten, wie ihre Eltern Spaghetti essen. Wenn sie selbst das Spaghetti-Essalter erreicht haben, können sie diese fast genauso gut ohne kompliziertes Training essen. Daher der Begriff Spaghettineuronen.
Mein Enkel Fiete (1,5 Jahre) beobachtet Oma und Bruder Finn (5 J) beim Federballspielen. Nach einer gefühlten Viertelstunde forderte er von Oma den Schläger und ab da imitierte er seine Großmutter. Es klappte vorerst nicht, aber das macht ihm überhaupt nichts aus. Fasziniert probierte er es immer wieder. Nur Finn war genervt.

Was die Beherrschung bis hin zur Meisterschaft betrifft, da gibt es eine simple Regel:
Übe 10 000 Stunden diese Tätigkeit und du wirst ein Meister- ( Konzertpianist, Olympiasieger im Reckturnen, Weltmeister im Maschinenschreiben, Karatekid, Artikelschreiber…)

Quelle:

http://birkenbihldenkt.wordpress.com/2008/09/07/wie-knipst-man-das-gehirn-an/

Und wenn man so viel geübt hat, die Bewegungsabläufe im Kleinhirn verankert sind, dann sieht das am Ende so aus:

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