Wer mit dem Stift schreibt, denkt klarer- rettet die Handschrift

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Lieber  Leser,

schon gehört- die Schreibschrift soll abgeschafft werden? An dessen statt soll die Druckschrift treten. Vom Grundschulverband kommt die Empfehlung, künftig nur noch eine stark vereinfachte Grundschrift zu lehren. Vielleicht haben die Ideengeber dabei sogar im Hinterkopf, dass bald niemand mehr per Hand etwas schreiben wird (muss)- Smartphone, Rechner- überall wird eingetippt. Neben dem Worterkennungsprogramm, bei dem man nur 2 Buchtaben eingeben muss und ein Wort wird vorgeschlagen, wird man sich über die Rechtschreibung auch bald keine Gedanken mehr machen müssen-  die Rechtschreibprogramme werden immer besser. Wozu also sich mit lästigen und komplizierten Regeln herumschlagen?

Jetzt könnte man meinen, gerade ich als einer, der bei den Mindmap- Seminaren

Immer wenn ich von Wim einen Brief bekam, freute ich mich wie ein Schneekönig. Wim war gut 20 Jahre älter und Direktor eines holländischen Gymnasiums.

Immer wenn ich von meinem Freund Wim einen Brief bekam, freute ich mich wie ein Schneekönig. Wim war gut 20 Jahre älter als ich und Direktor eines holländischen Gymnasiums. Wir schrieben uns 15 Jahre lang.

doch immer so auf das Schreiben mit Druckbuchstaben besteht, sollte ein glühender Anhänger dieses Vorhabens sein.
Bin ich aber nicht.
Natürlich bin ich bei den Mindmaps für die Druckbuchstaben, da das Gehirn diese viel besser „fotografieren“ kann.
Aber was eine schöne Schreibschrift betrifft, da stimme ich mit Cornelia Funke (Bestsellerautorin- unbedingt lesenswert!) überein, die sich vor kurzem einem Interview der „Zeit“ stellte:
„Schreibschrift ist ein wunderbares Mittel, um sich selbst zu entdecken…. In der Art und Weise, wie wir schreiben, erkennen wir uns selbst- unsere Kraft, unsere Unsicherheiten. Wir sehen, ob wir gerade aufgeregt und nervös sind oder ganz ruhig.“ (Die Zeit Nr. 28; 9.7.2015)

100% meiner Mindmaps schreibe ich per Hand, wenn es um Notizen geht, die Lösungen bringen sollen, nutze ich tatsächlich auch eine Art vereinfachte Schreibschrift dafür. Das geht schneller.
Ich hatte es mit Computerprogrammen versucht. Doch die Ergebnisse waren nicht die gleichen. Sicherlich macht dort jeder andere Erfahrungen, aber ein handgezeichnetes Mindmap ist viel effektiver als ein relativ steriles am Rechner erstelltes.

Ich hatte vor kurzem einmal einen Blog darüber geschrieben, dass jeder zeichnen kann.
Nun behaupte ich, dass auch jeder eine einigermaßen saubere Handschrift haben kann. Na ja, wenn ich an die Schriften einiger meiner Schüler (insbesondere männlichen Typs) denke, dann relativiert sich diese Aussage vielleicht. Trotzdem, wenn man ihnen nicht stets den Mut nehmen würde, sie für eine unsaubere Schrift tadelte, würden sie vielleicht selbst daran Gefallen finden. So aber wird es für sie zur lästigen Muss-Aufgabe, die es möglichst zu vermeiden gilt.

Mein Kinderbuch über Tommy Tropf schreibe ich übrigens auch mit der Hand. Später werden die Geschichten dann in den Rechner eingegeben und dabei auch korrigiert. Aber geschrieben wird immer in einem weißen Künstlerblock mit 120g.- Papier. Und es muss immer die gleiche Sorte Fineliner sein. Ist schon komisch, dass man solche Rituale hat.

Cornelia Funke hatte ihre ersten Bücher alle per Rechner geschrieben. Und das als gelernte Illustratorin. Erst später begann sie, ihre Geschichten per Hand zu schreiben.
Was war für sie der Unterschied?
„Mit Stift und Papier ist man wesentlich flexibler. Ich habe mein Notizbuch immer dabei. Egal, wo ich bin, ich schreibe: Damit fließen viele spontane Ideen aufs Papier und gehen einem nicht verloren.
Und dann ist da diese Freiheit- kein Gerät, keine Elektrizität zu brauchen- das macht für mich einen großen Zauber aus.“

Auch ihren schönsten Satz in dem Interview möchte ich dir nicht vorenthalten:
„Als ich zum ersten Mal wieder mit der Hand ein Manuskript verfasste, hatte ich das Gefühl, dass mir jemand das Spielen zurückgegeben hatte.“ (ebenda)

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Wie wäre es mit einem Witz?

Und zuletzt noch einen niedlicher Witz, der dazu herrlich passt:
Eine Frau eröffnet ihrem Mann, dass sie einem Graphologen einem Brief von ihm geschickt hat und dieser nun anhand der Schrift folgenden Charakter herausgefunden hat:
Sie zitiert:
„Sehr geehrte Frau Meyer,
ich habe das vorliegende Schriftstück hinsichtlich der Handschrift analysiert und bin zu folgender Einschätzung gekommen:
Der Schreiber hat eine dominante Ausstrahlung, ist jähzornig und rechthaberisch. Sein Denken ist etwas beschränkt. Er neigt zu Streit.
Es scheint ihm unmöglich, andere Meinungen außer der seinen zuzulassen. Es dürfte äußerst schwer sein, es ihm recht zu machen.“

Der Mann ist völlig verblüfft. Niemals hätte er sich selbst so eingeschätzt. Verzweifelt greift er sich seinen Brief: „Aber das ist doch gar nicht meine Schrift!“
Darauf seine Frau:
„Natürlich nicht, du Blödmann, ich habe ihn mühselig abgeschrieben. Meinst du der Professor hätte deine Sauklaue lesen können?“

Hier verrate ich ein Geheimnis

Was nur wenige über mich wissen:
Ich habe seit der Schulzeit die gleiche Handschrift wie meine Frau. Damals ging ich mit meiner Daggi in eine Klasse. Und da ich dieselbe Handschrift wie sie hatte und übrigens immer noch habe, hat sie es niemals gemerkt, dass ich ihr damals heimlich immer zusätzliche Hausaufgaben in ihr Tagebuch eingetragen habe. Sie wunderte sich nur immer wieder, dass bestimmte Aufgaben nicht kontrolliert wurden. Sicher ist sie auch deshalb so schlau geworden.

Comments on Wer mit dem Stift schreibt, denkt klarer- rettet die Handschrift

  1. Anette Klöss

    Hallo lieber Jens,

    ich bin blutiger Füllerschreiberin, und wenn ich diverse Unterlagen vormir liegen habe, auf denen “bitte Blockschrift” steht … 🙁 … meine Adresse bekomme ich noch mit Ach und krach hin und dann verfalle ich wieder in meine “Klaue”.
    Meine Mutter brachte mir damals üterlin bei, und so habe ich ganze Märchenbücher “just for fun” abgeschrieben. :-), was sich natürlich auf mein Schriftbild auswirkte. In meiner ersten Ausbildung kam unsere Oberschwester zu mir und meinte: “Anette, wenn ich deine Berichte sehe, weiß ich nie, ob das nun ein Bericht ist, oder ob ich ein EKG auswerten soll!” 😉
    Ganz so weit, hole ich nun nicht mehr aus (beim Schreiben, aber meine emotionale Verfassung, lässt sich in meinem Schriftbild nicht leugnen.Also:

    Rettet die Handschrift!!!

    LG Anette K.

    Übrigens: (Helmut und Loki Schmidt hatten während ihrer Schulzeit ebenfalls eine identische Handschrift, und Loki hat dann wohl für ihren Helmut einen Teil der Hausaufgaben übernommen, nicht weil er es nicht konnte, damit er Raum für sein damals wohl schon politisches Engagement hat ;-).
    (Quelle: “Erzähl doch mal von früher”, Der Autor st mir gerade entfallen, aber das Buch über und mit Loki Schmidt ist durchaus emphehlenswert. 🙂

    1. Hallo Anette,
      ich bin ganz bei dir. Sütterlin kann ich leider nicht- Daggi kann es. Und maeine Mutter. Die sogar in absolut gestochener Schrift.
      Jetzt wieder- sie hatte ja einen Schlaganfall, dann wars erst einmal damit vorbei.Aber nun – mit unseren Methoden ist wieder alles bestens.
      Sieh mal an, das mit Helmut und Loki wusst ich nicht. Ein sehr gutes Omen.

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