
Onlinekurs „High Potential“
Lektion 39
Unser Schatz im Kopf ist unser episodisches Gedächtnis
Lieber Leser,
wenn man Sie nach Ihrer Vita im Unternehmen befragt, welche Ereignisse tauchen dann als erstes auf? Wussten Sie, dass diese Geschehnisse, und zwar egal ob positiv oder negativ- ein unglaublicher Schatz für Ihr Gehirn ist?
Das Gleiche gilt natürlich auf für die Erlebnisse innerhalb Ihrer Familie und überhaupt Ihres Lebens. Unser Gehirn ist nämlich so gestrickt, dass es auch einem autobiografischen Gedächtnis besteht. Dieses macht sie unverwechselbar und dieses gilt es auch zu pflegen.
Wenn man von Patienten mit Alzheimer hört oder sogar welche kennt, weiß man, dass am Ende die Persönlichkeit verschwunden ist.
In Michael Endes „Unendliche Geschichte Teil II“ wird doch ein Fall in einem romantischen Märchen beschrieben:
„Um Bastian von der Rettung abzuhalten, hat Dreigesicht eine Apparatur entwickelt, mit der Bastian durch jeden Wunsch, den ihm das Amulett Auryn erfüllt, eine Erinnerung verliert. Ihr Spion Nimbly soll Bastian deswegen überreden, sich so oft wie nur möglich etwas zu wünschen, bis er schließlich sämtliche Erinnerungen verloren hat und somit auch nicht mehr weiß, weswegen er eigentlich nach Phantasien gekommen ist.“
Vera Birkenbihl, die große Meisterin des Erklärens komplizierter Phänomene hielt einmal einen Vortrag zu diesem Thema. Diesen habe ich per KAWA mitgeschrieben.
Stellen Sie sich viele kleine Mikroerlebnisse vor, die wir jeden Tag erleben. In Ihrer Firma, bei Ihnen zu Hause, in Ihrer Freizeit. Frau Birkenbihl verglich diese mit Sand, der Goldstaub enthielt. Manche von denen sind es wert, behalten zu werden. Das sind dann die Nuggets. Sie werden zu Erinnerungen und dann auch im autobiografischen Gedächtnis abgespeichert, dh. wenn Sie es zulassen.
Erst muss das Erlebnis noch den Hippocampus durchschreiten und der arbeitet nur nachts, wenn Sie schlafen.
Interessant ist es übrigens, dass die Erinnerungen der letzten 6 Wochen noch in unserem Speicher chronologisch geordnet sind, danach verliert sich der Zeitbezug.
Betrachten Sie also alle bemerkenswerte Mikroerlebnisse als eine Art Saat, an die Sie sich später erinnern können (Ernte), die Sie zu der Persönlichkeit gemacht haben, die Sie heute sind.
Sorgen also immer wieder für Nachschub. Je mehr Episoden in Ihrem Gehirn gespeichert sind, desto besser, desto bunter ist auch Ihr Leben. Es dürfte klar sein: Passives Fernsehen, Pauschalurlaube, Faulenzen in den Ferien, tödliche Langeweile tragen nicht zur Vergrößerung Ihres Schatzes bei.
Und sorgen Sie zweitens dafür, dass Ihnen Ihre Erinnerungen erhalten bleiben.
Es darf Ihnen nicht so gehen, wie Bastian aus der unendlichen Geschichte.
Kennen Sie das Nonnenexperiment?
Man hatte in einem Kloster Nonnen viele Jahre lang nach Intelligenz getestet und nach ihrem Tod die Gehirne untersuchen dürfen. Die klügste der Nonnen, die im Kloster eine besondere Stellung eingenommen hatte, starb an einer Herzkrankheit.
Als man ihr Gehirn obduzierte, stelle man verwundert fest, dass ihr Gehirn voller Plaque war, Sie hatte schwere Alzheimer im Endstadium. Doch niemand hatte etwas davon bemerkt. Sie hatte durch ihr permanentes Denken, Lesen, Tun so viele neue Synapsen gebildet, dass die Krankheit keine Symptome zeigte.
Aufgabe:
Legen Sie sich ein Episodenbuch an.
Schreiben Sie ab heute je Tag 2 Episoden aus Ihrem Leben auf und verwahren Sie dieses Geschriebene wie einen Schatz, denn es ist Einer. Sollten Sie einmal in ein Alter kommen, in dem man schon das Eine oder Andere vergisst, haben Sie dann die Möglichkeit, es durch das Lesen wieder aufzufrischen. Übrigens, da Ihrer Erinnerungen eh nicht chronologisch gespeichert sind, können Sie sich mühselige Recherchen sparen. Schreiben Sie einfach auf, was Ihnen gerade in den Sinn kommt. Ab einem gewissen Zeitpunkt hat Ihr Unterbewusstsein verstanden und wird sich an immer mehr kleine Episoden aus Ihrem Familien- Freizeit- und Firmenleben erinnern.
PS.
Ein kleiner Witz in Sachen Erinnerungsvermögen
2 Männer planen eine Örtlichkeit für ihr 20- Jähriges Klassentreffen:
“Lass uns in den “Hirschen” gehen, dort ist das Bier echt lecker und die Bedienung absolut knackig”.
Die beiden planen ihr 40- Jähriges Klassentreffen:
“Lass uns in den “Hirschen” gehen, der ist ebenerdig und man kommt mit dem Rollstuhl super rein”.
Die beiden planen ihr 50- Jähriges Jubiläum:
“Lass uns in den “Hirschen” gehen, da waren wir noch nie”.


